An open letter to Meryl Streep

Well done, well done. While I find myself speechless many times, you found just the right words (even if not your voice) and – which is much harder – also the right timing. Good news are so very rare these days that you need to embrace them and take them with you. Only a few (and only the best) speeches have the potential to really get to you, to touch you. We seem to unlearn the ability to listen, while we perfect the ability to forget and to ignore. But it seems like the internet and press is good for something after all – because it is impossible to avoid your face and the very same headline about your acceptance speech today. Hopefully, many more people will take those six minutes (and an extra-minute to watch the video clip you refer to) to listen and to really think about it. Even if any interpretation is subjective in itself – it seems rarely possible to misinterpret that, dear Mr. President-to-be. Besides, this accusation is not so much about you making fun of a disabled man, but about a person in power who makes fun of another human being. And the question is: Do we really want those people in power?

Hats off, Meryl. 

Artikel Süddeutsche Zeitung
Article on CNN

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„You can’t walk here…“

Der Obdachlose, von dessen Lippen dieses Verbot kommt, schaut grimmig zu uns rüber. Vielleicht hatte die alberne Mitarbeiterin des Ticket-Centers recht, als sie uns am Vortag hinterher sang: „And don’t talk to strangers.“ In vielen Fällen hätte uns dieser Rat vor einem unendlich langen Verkaufsgespräch auf offener Straße gerettet – man darf aber auch einfach nicht höflich sein, wenn einer jener ticket agents die verbale Falle spannt. Nicht lächeln, keinen Blickkontakt (also im Prinzip als sei man Autist) und bestens einfach nur undeutlich „No thanks“ nuscheln, sonst wird man bereits in einen Monolog von gigantischen Ausmaßen eingelullt, der immer auf die gleiche Weise endet: man möge dem Monologisten bitte Geld geben. Vielleicht wäre dies eine gute Gelegenheit, um eine exotische Fremdsprache zu lernen. Schwedisch zum Beispiel. Dann könnte man auf „Hey humans, wanna have a bus?“ einfach mal ganz schlagfertig mit „Hur lämpligt, du slåss som en ko“ antworten. 
Aber wie könnte dieser Satz nun zu Ende gehen? Vielleicht ist es eine Warnung und der Obdachlose zieht gleich eine Fliegenpatsche aus den Lumpen und fügt hinzu: „This is bat country.“ In diesem Fall würden die ständigen Stroboskoplichter nicht auf die Bildschirmreklamen des Times Squares, sondern auf übermäßigen Drogenkonsum zurückzuführen sein. 

Man kann sich in New York ohnehin häufig die Frage stellen, ob die Sinne einem einen Streich spielen, zum Beispiel bei nackten Frauen auf der Straße. Welcher Sinn einen leider niemals trügt, ist der Geruchssinn. Und da muss man leider sagen, dass die meisten Ecken von New York – dieser sagenumwobenen Metropole und place to be – olfaktorisch nicht zu empfehlen sind. 

Was jedoch uneingeschränkt empfohlen werden kann, ist die Uptown-Bustour mit Darius. Wer kein Geld für den Broadway übrig hat, bekommt hier eine Stadtrundfahrt mit Gesangs- und Tanzeinlagen geboten – inklusive Cover von Marilyn Monroes Klassiker „Happy Birthday, dear Mr. President“, welches Darius ähnlich sexy in sein Mikro haucht. Auch gesellschaftskritische Kommentare zum Medienkonsum bekommt man hier serviert, denn Darius weiß, dass er nichts weißt: „I might not be the smartest tour guide, but I have a smartphone.“ Wer es gerne kulinarisch mag, der sollte zu Debra auf den Bus klettern, denn hier erfährt man nicht nur, wo man die Suppe des Suppennazis aus Seinfeld, sondern auch wo man den besten Tofu findet (SpoilerAlarm: bei ihr zu Hause in der Küche). Was jedoch fast alle tour guides gemein haben, ist ihre Haltung zum aktuellen Präsidentschaftkandidaten, welche immer dann offenkundig wird, wenn wir eines der vielen Trump-Gebäude passieren. Eben jene Haltung trifft man auf offener Straße in vielfachen Formen, wie bei einem Bettler mit dem aussagekräftigen Schild „Give me one dollar or I’m voting Trump“ (der womöglich bald Millionär sein wird). 

Wenn wir schon bei Bustouren sind: Vorsicht ist geboten, wenn ihr bei eurer Nachttour von Frank begrüßt werdet. Seine Sandmännchen-Tour durch das Nachtleben von New York ist eher ein Nachtsterben.

Und so geht ein weiterer Tag zu Ende und der Obdachlose beendet seinen Satz: „You can’t walk here – without smiling.“