Mr Robot.dat

Erst kürzlich bin ich über Nineteen Eighty-four in der Auslage der aktuellen englischsprachigen Bestseller gestolpert und habe mich gefragt, ob Big Brother wohl jemals an Aktualität verlieren wird.

Und wenige Tage später finde ich mich auf einem Sofa wieder, mein Smartphone in das hauseigene Drahtlosnetzwerk des Gastgebers eingeloggt, während wir über Amazon Prime die Cyberthrillerserie Mr. Robot ansehen. Meiner inneren Neugier nachgebend öffne ich die IMDB per App, um herauszufinden, wieso mir das Gesicht der weiblichen Protagonistin so bekannt vorkommt (es handelt sich hierbei übrigens um Portia Doubleday, die auch das unsägliche Scheusal in der Neuverfilmung von Carrie gespielt hat) und Tadaa! – als Empfehlung wird mir prompt die Serie Mr. Robot angezeigt. Mein nervöser Blick gleitet vom Handydisplay zum Smart-TV, auf dem immer noch ganz unschuldig die aktuelle Folge läuft. Noch während ich mir diese Serie über einen Profi-Hacker ansehe, wird mir diese Serie über eine meiner Apps vorgeschlagen – Zufall oder bloße Ironie? Plötzlich fühle ich mich umzingelt vom Internet, so als wären abertausende Fäden an mir befestigt, die in unendliche Weiten, zu mir unbekannten Empfängern reichen. Ich würde gerne meine persönliche Firewall erhöhen, fühle mich aber so durchsichtig wie Glas (-faser). 

Was in Zukunft als amüsante Anekdote für diverse Gespräche herhalten wird, schürt nicht nur meine individuelle Paranoia in Zeiten von digitaler Identität, sondern lässt mich auch erneut über meine Privatsphäre nachdenken. Und sollten wir das nicht alle viel häufiger tun? Muss der Post auf Facebook wirklich sein, der ein Foto, die Uhrzeit und den aktuellen Aufenthaltsort von mir und meinen Freunden ins endlose Netz hinausposaunt? Habt ihr euch die Privatsphäreeinstellungen von Facebook überhaupt jemals genauer angesehen? 

Empfehlenswert wäre es allemal. Ebenso wie die erwähnte Serie, nur nebenbei bemerkt. Hier fühlt man als Zuschauer nämlich wirklich noch einmal Liebe für’s Detail, wenn sich die Episodenliste wie ein Screenshot aus dem Explorer liest und die beigefügten Dateiendungen das Nerdherz höher schlagen lassen (analog hierzu und ebenso konsequent sind übrigens auch die einzelnen Tracks auf dem Soundtrack gestaltet):  

eps1.0_hellofriend.mov

eps1.1_ones-and-zer0es.mpeg

 eps1.2_d3bug.mkv

Zahlreiche Plot-Twists (hiervon einige mehr oder weniger vorhergesehen) sowie ein gigantischer Soundtrack runden den IT-Mindfuck ab und würzen das Erlebnis mit einer gehörigen Portion Fight Club, wenn in einer absoluten Schlüsselszene die atemberaubende Klavier-Version von „Where is my mind“ gespielt wird. 

Und nun mach dein Drahtlosnetzwerk sicher, ändere all deine Passwörter und frage dich, wie viel dein Smartphone vielleicht schon über dich weiß. 

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