Porzellan und Elefanten

Ich sitze am Schreibtisch. Du sitzt im Fahrradsattel. 

Ich kämpfe gegen leere Seiten. Du kämpfst gegen die Straße.

Ich bin geplagt von Zweifeln an meiner Formulierung. Du bist geplagt von der Steigung der Berge.

Wir sind wie Porzellan und Elefanten – du stößt an deine körperlichen Grenzen, meine Welt sind Hypothesen und Ideen. Während du dich dem Wetter und der Anstrengung aussetzt, bin ich sicher in meinem Arbeitszimmer. Nur in meinen Gedanken sehe ich die Wolken, die an den Berggipfeln kleben, du rast auf deinem Rad mitten durch dieses Panorama. Den Fahrtwind im Gesicht konzentrierst du dich auf die nächste scharfe Kurve, mich lenkt der leichte Windhauch, der durch das Fenster dringt, nur kurz vom Bildschirm ab. Deine Finger umgreifen fest die Bremshebel, meine fliegen über die Tasten und wandern gelegentlich durch mein Haar, wenn ich mal wieder nicht weiter weiß. Die Räder unter dir gleiten über den nassen Asphalt, die Räder meines  Schreibtischstuhls gleiten nur kurz zum Regal, wo ich das Nachschlagewerk hervorziehe.

Zwei völlig unterschiedliche Wege von zwei völlig unterschiedlichen Menschen, die dennoch zum selben Ziel führen.

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